Osnabrück (ots) - Röttgens Märchen
Kaum zu glauben: Die Bundesregierung hat allen Ernstes erwogen,
die Endlagerung von Atommüll zu privatisieren. Das ist aus mehreren
Gründen fahrlässig, ja skandalös.
Erstens bleibt es elementare Aufgabe des Staates, für die
Sicherheit der Bürger zu sorgen. Da darf er sich ausgerechnet in
einer Hochsicherheitsfrage nicht einfach davonstehlen und sie
womöglich Profitinteressen unterordnen. Zweitens schrecken die
schlechten Erfahrungen mit dem maroden Endlager Asse, das sich erst
seit Kurzem wieder in staatlicher Hand befindet. Und drittens nährt
die Bundesregierung den unguten Eindruck, der Atomindustrie allzu
weit entgegenzukommen.
Beleg dafür sind etwa die zunächst geheimen Absprachen mit den
Energiekonzernen bei der Verlängerung der Kraftwerkslaufzeiten. Hinzu
kommt das offensichtliche Bemühen, den atomkritischen Chef des
Bundesamtes für Strahlenschutz zu entmachten. Und schließlich gibt es
eine Reihe umstrittener Personalien wie die Berufung eines ehemaligen
Eon-Managers zum obersten Reaktorschützer.
Ein Narr, wer vor diesem Hintergrund noch an eine "ergebnisoffene"
Erkundung des möglichen Endlagers Gorleben glaubt. Solche Märchen
sollten Umweltminister Röttgen und andere Unionspolitiker niemandem
mehr auftischen.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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