Düsseldorf (ots) - von Thomas Reisener
Die Griechen leben seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse.
Leichtfertige Kredite der Banken und ein mangels Kontrolle fast schon
auf Freiwilligkeit beruhendes Steuersystem haben ihren Wohlstand viel
schneller als ihre Volkswirtschaft wachsen lassen. Die besteht aus
kaum mehr als Tourismus und Landwirtschaft. Zu wenig, um damit den
üppigen Lebensstil in Städten wie Thessaloniki oder Athen zu
finanzieren, wo gerne viel Marmor verbaut wird und ein Bier in einer
schicken Bar auch mal acht Euro kostet.
Dass ihrem Land jetzt der Bankrott droht, ist aber nicht nur Schuld
der Griechen. Das Debakel ist auch Folge von Webfehlern der EU: Vor
der Einführung des Euro waren Nationalwährungen wie die italienische
Lira oder die griechische Drachme ein natürlicher Puffer, der
wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen Staaten ausgeglichen hat.
Ging es einem Land schlecht, rauschte dessen Währung in den Keller,
was Auslandsinvestitionen angezogen und den Export angekurbelt hat.
Die Gemeinschaftswährung einzuführen, ohne ihr eine gemeinsame Innen-
und Wirtschaftspolitik an die Seite zu stellen, war offenbar
fahrlässig. Solange die Zeiten wirtschaftlich besser waren als heute,
hat das nur niemand bemerkt.
Originaltext: Rheinische Post
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