Köln (ots) - Köln - Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP)
gerät mit seinen Arzneimittel-Sparplänen zunehmen in die Kritik der
Krankenkassen und Experten. Es sei zwar "ein gutes Signal", dass
Kassen und Hersteller künftig über Preise für neue patentge schützte
Medikamente verhandeln sollen, sagte der Vorstands vorsitzende der
AOK Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs, dem "Kölner Stadt-Anzeiger"
(Donnerstag-Ausgabe). Dabei müsse eine unabhängige
Kosten-Nutzen-Prüfung aber vor Beginn solcher Preisverhandlungen
stattfinden und nicht, wie von Rösler gewollt, nur für den Fall
gescheiterter Verhandlungen im Nachhinein. Ohne vorherige Prüfung
würden die Pharma-Unternehmen mit weit überzogenen Forderungen in die
Verhandlungen gehen, um "am Ende ihre Wunsch-Preise" durchzusetzen,
sagte Jacobs weiter. Die bisher von der Branche an den Tag gelegte
Verhandlungsstrategie lasse dies jeden falls erwarten. "Für
hochwirksame Neuerungen werden wir auch angemessene Preise zahlen.
Ist der Nutzen aber nicht nachweisbar, ist jeder Preis zu hoch",
betonte der Kassenchef. Scharfe Kritik äußerte auch die größte
deutsche Einzelkasse Barmer-GEK. Da zu Beginn der Verhandlungen
"keine objektive Bewertung des Zusatznutzens vorliegt, sondern nur
die Eigenangaben der Hersteller, verfügen die Kassen über keine
belastbareVerhandlungsgrundlage", sagte der stellvertretende Barmer-
GEK-Sprecher Kai Behrens der Zeitung . Insbesondere kleinere Kassen
seien aufgrund fehlender Eigenexpertise nicht in der Lage, die
Hersteller-Angaben zum Zusatznutzen zu überprüfen.Röslers Vorhaben
sind auch nach Einschätzung von Experten wirkungslos. "Es wird nichts
daran ändern, dass in Deutschland Mondpreise verlangt werden", sagte
der Pharmakologe Peter Schönhöfer. In Deutschland verlangten die
Firmen um 80 Prozent höhere Preise als im europäischen Ausland.
Während des vorgesehenen einjährigen Verhandlungszeitraums "werden
die Firmen auch mit nutzlosen Präparaten abkassieren können",
sagte Schönhöfer weiter. Die von Rösler vorgesehenen Dossiers, in
denen die Hersteller den Nutzen ihres neuen Medikaments belegen
sollen, hätten "wie üblich den Wert von Werbebroschüren" Schönhöfer
plädierte ebenfalls für vorgeschaltete Prüfungen durch das Institut
für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):
"Erst die unabhängige Kosten-Nutzen-Bewertung, dann Verhandlungen der
Kassen mit den Herstellern und erst am Schluss die Kosten erstattung
durch die Kassen." Wie viel versprechend ein solche Reihenfolge sein
kann, verdeut
lichte der Pharmakologe am Beispiel Frankreich: "Die französische
Nationalversicherung startet in die Verhandlungen mit den Herstellern
erfahrungsgemäß mit einem Angebot, das bei 40 Prozent des deutschen
Preises liegt."
Originaltext: Kölner Stadt-Anzeiger
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