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Lausitzer Rundschau

Umbau und Offenheit Gorbatschow und seine Politik der Perestroika

Cottbus (ots) - Gorbatschows Ideen von der Umgestaltung der
Gesellschaft und von einer offenen, der Wahrheit verpflichteten
Politik war die heißeste Diskussion der achtziger Jahre. "Jemand
würde kommen", so der Liedermacher Gerhard Gundermann, der die
Käseglocke anhebt und uns in die Freiheit entlässt. Was viele jedoch
der Sowjetunion kaum zutrauten, hielten manche für die DDR machbar:
Perestroika und Glasnost könnten ein Weg sein für eine offene
gerechte Gesellschaft ohne Privilegien, in der jede Meinung gehört
würde und jeder seinen Platz hätte. Gorbatschow hatte in seinem Land
eine Lawine ins Rollen gebracht, die letzten Endes auch zum Untergang
eines Weltsystems inklusive DDR führte. Er entließ die
"Bruderstaaten" in ihre eigene Verantwortung. Seine Politik, die die
sowjetischen Panzer in den Herbsttagen 1989 in den Kasernen beließ,
führte das Volk auf die Straße, zum Abdanken der alten Garde und zur
ersten freien Wahl im März 1990.
In Russland ist Gorbatschow heute noch immer nicht beliebt. Der
Vorwurf, er habe sein Land verraten und die Sowjetunion
45Jahre später den Zweiten Weltkrieg verlieren lassen, wiegt
schwer. Das Medwedews Russland jedoch weit von Gorbatschows Ideen
entfernt ist, wird öffentlich kaum diskutiert. Für uns Ostdeutsche
brachte er, trotz aller Verwerfungen, ein Leben ohne Käseglocke in
selbstbestimmter Verantwortung.

Originaltext: Lausitzer Rundschau
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