Düsseldorf (ots) - Es passiert nicht oft, dass Politiker auf
diplomatischer Mission Tacheles reden. US-Vizepräsident Joe Biden hat
es getan. Er hat Israels Entscheidung, im arabischen Ostteil
Jerusalems 1600 neue Wohnungen für jüdische Siedler zu bauen, scharf
verurteilt. Allein an seiner Wortwahl kann man ermessen, wie tief der
Frust im Weißen Haus sitzt.
Zu den euphorischen Hoffnungen, die sich mit dem Amtsantritt Barack
Obamas verbanden, gehörte auch jene auf Fortschritte im Nahen Osten.
Dass seinen Worten keine Friedenstaten folgten, liegt jedoch nicht an
Obama. Es liegt an Benjamin Netanjahu und Mahmud Abbas, die sich in
kleinlichen Streitereien verheddern, statt den Blick über den
Tellerrand zu heben. Unter Bush senior, der 1991 die erste
nahöstliche Friedenskonferenz zimmerte, hätte es kein israelischer
Minister gewagt, die Amerikaner derart zu düpieren, wie es jetzt mit
dem grünen Licht für das neue Bauvorhaben geschehen ist. Und dies
ausgerechnet in dem Moment, da sich Israelis und Palästinenser
endlich bereit gefunden haben, wieder miteinander zu reden, wenn auch
nur indirekt. Kein Wunder, dass Biden jede diplomatische Vorsicht
vergaß. Vielleicht war es das rechte Wort zu rechten Zeit. Ein
Gewitter reinigt bekanntlich die Luft.
Originaltext: Rheinische Post
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