Osnabrück (ots) - Nicht verzetteln
Gewiss, wilden Spekulanten sollte das Geschäft so schwer wie
möglich gemacht werden. Dies gilt erst recht, wenn ihre Geschäfte
ganze Volkswirtschaften in Gefahr bringen können - siehe die Pleite
der Lehman Bank in den USA.
Insofern ist es verständlich, dass der griechische Regierungschef
Papandreou Washington zu hartem Durchgreifen auffordert. Auch
Kanzlerin Merkel und andere EU-Politiker stimmen hier ein. Doch
zumindest im Fall Papandreou ist dies eine zweischneidige
Angelegenheit. Denn nicht Spekulanten haben die Griechen in ihre
jetzige Bredouille gestürzt. Sie selbst haben zu lange weit über ihre
Verhältnisse gelebt, international getäuscht und getrickst.
Hier muss Papandreou einen radikalen Kurswechsel vollziehen. Er
hat dazu vor wenigen Tagen ein überzeugendes Konzept vorgelegt. Umso
wichtiger ist es, dass der Premier nun keinen politischen
Nebenkriegsschauplatz eröffnet, indem er die Spekulanten ins Zentrum
seiner Argumentation rückt. Klar ist: Die internationale
Finanzordnung muss neu justiert werden. Da wartet vor allem auf EU
und USA noch ein großes Stück Arbeit. Papandreou mag sich gerne daran
beteiligen - sofern er sich nicht verzettelt und das schmerzhafte
Umsteuern zu Hause in Griechenland auch nur im Geringsten
vernachlässigt.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
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