Bielefeld (ots) - Die Finanzkrise bringt nicht nur die
Weltwirtschaft ins Trudeln, sondern auch die seelischen
Befindlichkeiten. In der Mittelschicht wächst die Angst vor Abstieg
und eine Wut auf die Verhältnisse. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich
breit.
Der Bielefelder Wissenschaftler Wilhelm Heitmeyer hat herausgefunden,
dass auf solchem Boden ein so schlimmes Gewächs wie die
gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit besonders gut gedeiht. Dabei
müssen als Sündenböcke Ausländer, Muslime und Juden herhalten. Und
zunehmend auch sozial schwache Gruppen wie etwa die
Langzeitarbeitslosen.
Was folgt aus dieser beunruhigenden Analyse für die Politik?
Spitzenpolitiker dürfen nicht selbst durch missverständliche
Äußerungen Öl ins Feuer gießen und die Ausgrenzung von Gruppen noch
befördern.
Zudem sollte die Politik darum kämpfen, die Kontrolle
zurückzugewinnen über einen allmächtigen Finanzsektor, der Ohnmacht
geradezu provoziert. Bisher ist es der Politik nicht gelungen, das
Finanzkapital zu bändigen. Das wäre alle Anstrengung wert. Sonst wird
die Krise chronisch. Und die Wut auch.
Originaltext: Neue Westfälische
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