Das Portal Greenleaks hat sich dem Umweltaktivismus verschrieben
Ein Australier, der in Berlin lebt, tut es seinem Landsmann Julian Assange gleich: Der Filmemacher Scott Millwood will die „Weisheit der Vielen“ für den Umweltschutz nutzbar machen.
Mit seiner Wollmütze auf dem Kopf sieht Scott Millwood ein bisschen aus wie ein Hafenarbeiter, und wie er so mit seinem Kaffee dasitzt im „Fuchsbau“, einer Kneipe in Kreuzberg, passt er ganz gut nach Berlin; ins alternative Berlin, das es hier noch gibt. Der Australier sieht auch nicht nach dem gelernten Anwalt aus, der er ist – eher nach dem Filmemacher oder nach dem Umweltaktivisten, der er vor allem ist.
Der 37-Jährige lebt seit 2004 in der deutschen Hauptstadt, und er mag die Anregungen, die er hier findet, den „philosophischen Austausch“, wie er sagt. Der aus Australien stammende Millwood ist das Gesicht der neuen Enthüllungs-Plattform Greenleaks, die sich ganz der Umwelt verschrieben hat. Ein Australier, der eine Enthüllungsplattform startet? Das klingt bekannt: Julian Assange, die egozentrische Galionsfigur von Wikileaks, der Mutter aller Enthüllungs-Plattformen, kommt ja ebenfalls von „down under“. Zufall, Millwood hat mit Assange nichts zu tun, will die eigene Person bei der Sache am liebsten auch außen vor lassen. Und trotzdem hat der eine den anderen stark beeinflusst: „Für mich gibt es eine Zeitrechnung vor Wikileaks und nach Wikileaks“, sagt Millwood, der sich nach angelsächsischer Gepflogenheit einfach „Scott“ nennen lässt.
Er repräsentiert die Plattform in der Öffentlichkeit und ist der Einzige, der das künftig tun wird. Wer sonst noch genau dazugehört, darüber schweigt er: „Greenleaks ist ein internationales Netzwerk von Leuten, die sich umweltpolitisch betätigen“, sagt Millwood. „Ich kann nicht einmal genau sagen, wie viele wir sind.“ Ein bisschen Geheimniskrämerei gehört zum „Leaking“-Handwerk dazu, und das hat gute Gründe, soll die Plattform doch auch brisante Informationen zutage fördern: Wo verschmutzen Unternehmen die Umwelt? Wie positionieren sich Regierungen in Umweltfragen, und wer beeinflusst sie?
Urgrüne Heimat
Scott Millwood hat schon einiges gemacht in seinem Leben. Er wuchs auf der australischen Insel Tasmanien auf, entwickelte früh Umweltbewusstsein und Liebe zur Natur. Tasmanien ist stark bewaldet, hier sind seltene Tierarten erhalten, die auf dem australischen Kontinent schon ausgestorben sind. Doch ist die Vielfalt bedroht, denn die Wälder verheißen der Holzindustrie Profite. Es ist kein Zufall, dass sich in Tasmanien 1972 die weltweit erste grüne Partei gründete.
Millwood ging zum Jurastudium nach Melbourne und später nach New York, anschließend arbeitete er eine Weile als Rechtsanwalt in Melbourne. Das aber reichte ihm nicht, er war neugierig und reiste durch die Welt: Der junge Australier lebte aus dem Koffer, war im Nahen Osten unterwegs, was ihm viele arabische Stempel im Pass und nach dem 11. September daher schon einmal längere Kontrollen an Flughäfen einbrachte.
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