(Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Frank Barbian)
Ausländerfeindlich, humorlos, arrogant? Diese Vorurteile gegen Deutschland gehören auch dank gezielter PR-Maßnahmen der Bundesregierung der Vergangenheit an. Das Auswärtige Amt unter Guido Westerwelle verspielt den neuen guten Ruf – sagt Anna Schwan.
In Peking sind sie alle. Nicht nur Politiker, Wirtschaftsbosse und westliche Kulturgrößen geben sich die Klinke in die Hand. Auch die Größen der deutschen Aufklärung sind versammelt: Leibniz und Lessing, Kant und Humboldt. Im Rahmen der Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ finden sie sich mit bedeutenden europäischen Künstlern aus dem 18. Jahrhundert auf dem Tiennamen–Platz wieder, direkt gegenüber des Mao-Mausoleums. Im neugebauten National Museum of China teilen sie sich den Platz mit Ausstellungen zum Roten China und einer eklektischen Schau zu 157 Jahren Louis-Vuitton-Reisegepäck. Neben diesem revolutionärem Pomp und kommerziellem Glamour wirken sie recht deplaziert, die 580 Werke der „Kunst der Aufklärung“, die den Geist westlicher Werte in China wehen lassen sollen.
Die Ausstellung war als Prestigeprojekt geplant, als vorläufiger Höhepunkt des deutsch-chinesischen Kulturaustauschs. Gleichzeitig sollte es an die 2010 zu Ende gegangene Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung“ anknüpfen. Die Werkschau sollte zeigen: Die Werte der Aufklärung sind noch immer modern.
Zweifelhafte PR
Über 10 Millionen Euro haben die Deutschen sich das kosten lassen, den größten Teil davon übernahm das Auswärtige Amt. Zur Eröffnung im April war Außenminister Guido Westerwelle eigens angereist. Er wollte zeigen, was die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik unter seiner Ägide zustande bringt – auch wenn die Planung der Ausstellung lange vor seinem Amtsantritt begonnen hatte. Doch das Projekt macht Probleme: Eine Berichterstattung in China fand bislang kaum statt. Mit einer – recht zweifelhaften – Ausnahme: Kurz nach der Eröffnung setzten die chinesischen Behörden medienwirksam den Künstler Ai Wei Wei fest.
Die Ausstellung in Peking ist nicht das einzige Problem der deutschen Kulturvermittlung und Außendarstellung, das Guido Westerwelle beschäftigen sollte. Politische Entscheidungen wie das Veto gegen die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat, die Atomausstiegsdebatte im direkten Anschluss an den Tsunami in Japan und der Schlingerkurs bei der Griechenlandhilfe muss die deutsche Regierung dringend im Ausland erklären.
Genau das macht sie jedoch nicht. Das Auswärtige Amt versucht Deutschlands Ruf, seit der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006 bei weltweiten Umfragen ganz oben, nur noch eingeschränkt zu lenken. Die Abteilung Kultur und Kommunikation, unter dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer gegründet und unter seinen Nachfolger Frank-Walter Steinmeier ausgebaut, dünnte Guido Westerwelle seit seiner Amtsübernahme systematisch aus. Das Budget reicht heute nicht mehr aus, um wichtige Projekte fortzuführen.
Dabei ist es wichtiger denn je, das eigene Bild im Ausland zu lenken. Denn Außenkommunikation beeinflusst erheblich, welchen Ruf ein Land in der Welt hat. Sie liefert die Bilder und setzt die Agenda der Themen, über die Medien und Zielgruppen weltweit diskutieren. Ob Fußball-WM oder Olympische Spiele: Mit solchen Veranstaltungen und Medienkampagnen wollen Regierungen die Einstellungen von Zielgruppen verändern. Die Außenkommunikation ist zu einem bedeutenden Machtinstrument in der heutigen Mediengesellschaft geworden. Sie schafft das, was der US-Politologe Joseph Nye „Soft Power“ nennt: Die Anziehungskraft eines Staates, die dafür sorgt, dass kluge Köpfe den Weg dorthin finden, und dass bei Zivilgesellschaften und Regierungen ein Vertrauensvorschuss entsteht. So wächst heute der Einfluss eines Staates in den internationalen Beziehungen.
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