Tom Daschle beim Interview im Hotel Adlon (Foto: www.baumannstephan.de)
Obama-Berater, Beinahe-Minister und einflussreicher Strippenzieher – Tom Daschle ist einer der erfahrensten Politiker der USA. p&k hat sich mit ihm über Führungsqualitäten, persönliche Rückschläge und politische Freundschaften unterhalten.
p&k: Herr Daschle, Sie waren über 20 Jahre lang Senator, zehn Jahre standen Sie der demokratischen Fraktion vor – als Mehrheits- und als Minderheitenführer: Was waren die größten politischen Herausforderungen?
Tom Daschle: Es war oft schwierig, den US-Kongress und das Land in Krisenzeiten zusammen zu halten. Nach den Anschlägen vom 11. September ist uns das gut gelungen. Für mich persönlich war der Anthrax-Anschlag auf mein Büro im Jahr 2001 eine große Herausforderung.
Als Fraktionsvorsitzender mussten Sie die demokratische Partei auf eine politische Linie bringen – und mit den Republikanern kooperieren. Was ist Ihnen schwerer gefallen?
Es kam auf die Sache an. Ich hatte große Schwierigkeiten, meine Fraktion bei dem Irak-Einsatz auf eine einheitliche Position einzuschwören. Die Partei war damals in zwei gleich große Lager gespalten: Die eine Hälfte befürwortete den Einsatz, die andere lehnte ihn ab. Mit den Republikanern dagegen war es schwer, in Budgetfragen zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel bei den Steuerplänen des ehemaligen Präsidenten George W. Bush. Diese sahen massive Einschnitte bei den Steuereinnahmen vor. In dieser Frage war es einfach, die Demokraten auf eine Linie zu bringen. Die von der Bush-Regierung letztlich durchgesetzten Steuersenkungen hielt ich damals für einen Fehler – und tue das noch immer.
Barack Obama wollte Sie 2008 als Gesundheitsminister in sein Kabinett holen. Aufgrund von Steuerproblemen konnten Sie den Posten nicht antreten. Haben Sie den Präsidenten während der Gesundheitsreform trotzdem beraten?
Ja, wir waren deswegen oft in Kontakt. Wirklich gebraucht hat er meine Hilfe jedoch nicht, schließlich hat er mit Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius eine sehr gute Ratgeberin an seiner Seite.
Sie sind ein ausgewiesener Gesundheitsexperte. Es muss für Sie schmerzhaft gewesen sein, nicht selbst an der Verabschiedung der Gesundheitsreform beteiligt gewesen zu sein.
Jeder erlebt Rückschläge im Leben. Es kommt jedoch nicht darauf an, wie oft man hinfällt, sondern wie oft man wieder aufsteht. Ich habe großes Glück, dass ich weiterhin am politischen Prozess teilnehmen und diesen mitgestalten kann.
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