Gegen Kernenergie: Atomkraftgegner demonstrieren vor dem Kanzleramt
Der Widerstand gegen die schwarz-gelbe Atompolitik treibt Tausende zu Protesten auf die Straße. Allgegenwärtig ist das Logo mit der roten Sonne und dem Schriftzug: „Atomkraft? Nein danke“. Das Motiv entstand in den 70er Jahren – p&k sprach mit seiner Schöpferin.
p&k: Frau Lund, Sie haben vor 35 Jahren eines der weltweit bekanntesten politischen Logos entworfen. Welche Bedeutung hat das Logo für Ihr Leben?
Anne Lund: Für mich persönlich prägend war vor allem, Teil der Anti-AKW-Bewegung gewesen zu sein, die Erfahrung, dass man tatsächlich etwas bewirken kann. Bei uns in Dänemark wurden nie Atomkraftwerke gebaut, und es ist schön zu sehen, dass Bürgerinitiativen so etwas erreichen können. Natürlich liegt dieser Erfolg der Anti-Atom-Bewegung kaum am Logo allein, aber man sieht daran doch auch, dass es einen Unterschied macht, ob ein Einzelner sich beteiligt oder nicht. Ich hätte ja auch etwas anderes machen können. Stattdessen habe ich mitgemacht – und dabei ist dann diese Zeichnung entstanden.
Wie kam Ihnen die Idee für das Logo?
Mitte der 70er Jahre stand im dänischen Parlament die Entscheidung an, ob auch bei uns Atomkraftwerke gebaut werden sollten. Die Regierung weigerte sich, ein Referendum darüber abzuhalten, und dagegen formierte sich eine wachsende Bürgerbewegung. Wir dachten uns: Wir wollen den Menschen etwas geben, mit dem sie zeigen können, dass sie sich für die Sache engagieren. Manche Organisationen in anderen Ländern hatten schon eigene Logos, aber ich hatte das Gefühl, dass keines dieser Motive für unsere Zwecke wirklich passte. Die Leute, die sich gegen die Atomkraft zusammengeschlossen hatten, kamen aus dem gesamten politischen Spektrum, und deshalb war es wichtig, dass das Motiv keine bestimmte politische Konnotation hatte. Dann habe ich versucht, mir ein ganz konkretes Bild zu machen, von dem Menschen, der das Logo später tragen sollte. Ich stellte mir eine Frau vor, etwa 45 Jahre alt, die einen schönen beigefarbenen Baumwollmantel trägt. Ich habe mir vorgestellt, wie der Button aussehen müsste, damit so eine Frau ihn gerne trägt. Die Farben sollten zur Kleidung passen und so gestaltet sein, dass sie es mögen würde.
Was genau soll das Logo symbolisieren?
Zunächst einmal sollte es natürlich etwas mit der Atomenergie zu tun haben, daher die Farben Schwarz und Gelb. Ich wollte aber nicht einfach die negative Seite der Atomenergie darstellen, wie das andere gemacht haben, sondern dem Ganzen etwas Positives geben. Die Sonne steht für alternative Energie und weckt positive Gefühle. Außerdem war uns auch wichtig zu vermitteln, dass es sich um eine gewaltfreie Aktion handelt. Jemand wie Gandhi hat uns damals inspiriert. Bei dem Slogan dachte ich mir: Die meisten Leute würden doch nicht einfach nur „Nein“ sagen, wenn ihnen etwas angeboten wird. Sie würden stattdessen höflich antworten: „Nein – danke“. So ist das doch üblich. Und wenn man höflich antwortet, geht man davon aus, dass der andere die Ablehnung wiederum freundlich aufnimmt. So findet Deeskalation statt. Wir wollten eben einen Dialog und keinen Konflikt.
Wie erklären Sie sich den weltweiten Erfolg des Logos?
Es wurde einfach gebraucht. Überall war ein Bewusstsein dafür entstanden, dass wir keine Kernenergie haben sollten. Das Logo hat dabei etwas angesprochen, was die Bewegungen in all diesen Ländern nötig hatten: Es stand für eine positive Vision von der Alternative zur Atomenergie – und das auf eine höfliche, positive und lustige Art. Ich glaube, so etwas mögen die Leute, mir selbst jedenfalls geht es auch so. Außerdem ist es sehr leicht verständlich und kann ganz einfach übersetzt werden.
Was war das für ein Gefühl, als Sie sahen, wie Ihr Logo so erfolgreich wurde?
Ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich war vor allem glücklich. Ich bin es immer noch, wenn ich jetzt die Bilder aus Berlin sehe. Das ist toll.
Haben Sie es bedauert, dass sie die Rechte am Logo abgetreten haben?
Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas weggebe, was mir gehört. Das Logo war ja von vornherein für die Bewegung entwickelt worden, und ich habe das auch nie bedauert. Wenn das Motiv jemandem gehört hätte, hätte es sich sicher auch nie so weit verbreitet. Das war ja auch gerade Teil der Idee: Die Sonne gehört niemandem, sie scheint auf jeden.
Interview: Till Hölters
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